Wie ich zu D&D kam
und warum ich gelieben bin

1217 Wörter und etwa 8 Minuten Lesedauer

Meine allererste D&D Session verzeichne ich am 05. November 2017. Bald genau zwei Jahre her. Seit dem hat sich meine Freizeitgestaltung stark verändert.

Alles begann mit Netflix. Hier kam Mitte 2016 die erste Staffel der Serie Stranger Things heraus, die ich verschlungen habe (read: gebinged) wie nichts zuvor. Soweit so unspektakulär. Ich wunderte mich, was die Kinder da für ein Spiel spielten.

Es nannte sich Dungeons & Dragons und ich hatte zuvor schonmal davon gehört. Die Mutter aller Computer-Rollenspiel-Spiele oder so. Ich schaute mich etwas um auf dem deutschen Markt und fand Das Schwarze Auge. Ich verglich ein bisschen, was ich so oberflächlich über beide Spiele wusste und tat DSA als mir “zu deutsch” ab.

In 2017 kam die zweite Staffel, der inzwischen äußerst erfolgreichen Serie, und ich warf erneut einen Blick auf den Stand von Dungeons & Dragons, diesmal aber etwas intensiver.

Auf Youtube fand ich dann eine Gruppe professioneller Synchronsprecher aus Los Angeles, die offensichtlich seit langer Zeit ihre wöchentliche Spielerunde auf Twitch streamten.

Ihr Name? Critical Role. Ich bin sehr schnell ein großer Fan geworden und finde das, was die Gruppe produziert ist großartige Unterhaltung. Ich kann es nur jedem ans Herz legen. Kurz darauf fand ich auch die High Rollers, deren Gruppe nicht aus professionellen Spielern besteht. Hier konnte ich mich nicht so sehr für begeistern. Die Art der Unterhaltung ist bei den Engländern eine andere, die mich aber nicht so mitgerissen hat.

Kurzum hatte ich mich entschlossen, zumindest mal zu schauen, wie es mit den Produkten auf dem deutschen Markt so aussieht. Damals gab es noch nichts so richtig auf Deutsch, was aber kein Hindernis für mich war. Ich kaufte im Juli 2017 also mal das Starter-Set mit dem Abenteuer Lost Mine of Phandelver.

Mitspieler waren, trotz meiner absoluten Unkenntnis, schnell gefunden und ich war zwangsweise, da ich das Regelbuch und das Abenteuer komplett durchgelesen hatte, erstmal der Dungeon Master.

Es war schwierig da reinzukommen, vermutlich, weil ich noch nie irgendwie Pen&Paper vorher angefasst habe, aber es schien, als ob ich einen günstigen Zeitpunkt zum Einstieg gewählt hatte. Etwa zur selben Zeit kam dndbeyond.com daher. Eine Firma, die das erste komplette, offizielle digitale Dungeons & Dragons Toolkit bereitstellen will.

Ich stehe ja auf Bits und Computer und war auch sofort ein riesen Fan von diesem Vorhaben. Hab sogar ein kleines Tool für Mac und Alfred User geschrieben.

Inzwischen sind wir längst über das Einsteiger-Abenteuer hinaus und sind jetzt schon knapp über ein Jahr an Storm King’s Thunder dran.

Was ich echt gut finde ist, dass die Gruppe an Spielern, mit denen ich begonnen habe, noch immer fast komplett ist! Ich kann nicht ganz verstehen, denn als DM bin ich eher schlecht als recht, denke ich.

Aber um langsam in Richtung Ende zu kommen: die Community, die Leute in dieser Themenblase sind unglaublich vielfältig, positiv und freundlich. Es gibt für jeden Geschmack etwas und das Beste an diesen Pen & Paper spielen ist Folgendes:

THERE IS NO WRONG WAY TO PLAY D&D AS LONG AS EVERYONE IS HAVING FUN.

Eine fantastische Community, ein Spiel, bei dem man viel kommunizieren muss, um Spaß zu haben und so viel frei zugänglicher Inhalt sind nur ein paar der Gründe, warum dieses Spiel einen Großteil meiner Freizeit einnimmt.

Ich versuche mit Hobbys nicht nur einen Zeitvertreib zu finden, sondern auch immer etwas, das mir Gelegenheit gibt, an mir selbst zu arbeiten.

Das war zuletzt die Fotografie, als ich mega schüchtern war und mehr Zeit draussen als drinnen verbringen wollte, war das die Gelegenheit. Nun, mehr als 10 Jahre, 4 davon sogar in nebenberuflicher Tätigkeit in dem Feld, später wurde es Zeit für etwas Neues.

Als Dungeon Master gibt es einen kleinen Satz an Grundfähigkeiten, die man haben kann, um ein abgerundetes Spielerlebnis bieten zu können. Ohne jetzt tiefer auf die einzelnen Punkte einzugehen sind das - je nachdem, wen man fragt - zum einen Improvisation um auf unerwartete Handlungen der Spieler schnell und sinnvoll reagieren zu können, aber auch Regelkenntnis um den Interaktionen einen Rahmen zu geben.

Weiter braucht man ein Gefühl, wie die Balance zwischen “zu einfachen” und “zu schweren” Situationen, etwa in einem Kampf, zu handhaben ist. Wenn in einer Diskussion der Antagonist zu früh nachgibt oder ohne Druck der Spieler Geheimnisse verrät, kann das den Spielspaß langfristig mindern.

Für mich mit eine der wichtigsten Fertigkeiten eines DM ist das Setzen der Szene, die Beschreibung von Orten, Gegebenheiten, das Einbetten der Spieler in die Spielwelt.

Die Organisation der Spielinhalte ist hauptsächlich dann wichtig, wenn die Gruppe ein langes Abenteuer spielt. Man muss Notizen anlegen, welche NPCs den Spieler gut oder schlecht gesinnt sind, mit wem die Spieler schon gesprochen haben und welche Orte wie beschrieben wurden, damit bei einem erneuten Besuch Konsistenz gewahrt werden kann oder diese absichtlich gebrochen werden kann.

Der nächste Punkt Kreativität geht ein bisschen Hand in Hand mit dem ersten Punkt. Um die Spielwelt lebendig, sonder- und wunderbar erscheinen zu lassen sollte sie sich vom Alltag der Spieler unterscheiden, hier helfen allerdings viele kostenlose Abenteuer von anderen Dungeon Mastern oder Spielern etwa auf der DMsGuild auf die Sprünge.

Als letzte Fähigkeit habe ich NPCs notiert, weil ich bei der Beschreibung und der Charakter-Tiefe von diesen Nichtspielercharakteren super schlecht bin und damit zurück zu meinem eigentlichen Argument komme, dass ich gerne Hobbys suche, um mich selbst in der einen oder anderen Form weiterzubringen.

Wenn ich meine Fähigkeiten in diesen Gebieten mal so Pi-Mal-Daumen zwischen 0 und 100 einordnen müsste, würde das nun nach einem Jahr wohl in etwa so aussehen:

Ich habe das Gefühl, dass meine NPCs leere Hüllen sind, außer ich verbringe unverhältnismäßig viel Zeit bei der Vorbereitung für sie. Das ist etwas, an dem ich arbeiten will, um meinen Spielern ein interessanteres Erlebnis bieten zu können, wenn sie in Städten unterwegs sind oder einen abgeschlossenen Quest abgeben oder auf jemanden in der Wildnis stoßen.

Ich bin bei D&D geblieben, weil ich denke, dass hier eine Auswahl an Fähigkeiten spielerisch gelernt werden kann, die einfach auch ausserhalb der Spielwelt nützlich und praktisch sind. D&D ist ein bisschen das, was ich mir von Computerspielen wünschen würde.

Hand-Auge-Koordination ist auch gut zu haben, klar, aber dumme Ideen als kleinen Kreativitätsschub zu erkennen und gleich irgendwo festzuhalten, in der nächsten Spielrunde den Spielern vorzusetzen und abzuwarten was daraus gemacht wird, ohne zu wissen was passiert hilft auch im Job. Zumindest in meinem.

Ein klassisches Beispiel: Wenn man an einem Thema arbeitet und ein schneller Kontextwechsel wegen eines Ausfalls nötig wird und man spontan eine funktionierende und vor allem schnelle temporäre Lösung finden muss.

Und wirklich das Beste daran ist, dass man diese Grundlagen spielerisch zusammen mit Bekannten und/oder Freunden (oder Bekannten, die dann zu Freunden werden!) gemeinsam lernt, während man zusammen an einer Geschichte schreibt, die in dieser Form so nie wieder jemand erleben wird.

unique cat meme

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Verfasst von Marius am 24. Juni 2019